...to whom it may concern...die kleine Frau Krämer ist sauer...leider kein Aprilscherz...

01.04.2026

...bedeutet in deutscher Sprache so viel wie: "wen immer es betrifft"...

Im Januar diesen Jahres war ich kurz davor, meinen über alles geliebten Job, mein Baby, meine Leidenschaft hinzuschmeissen. Leider ist dies kein Witz, ich hatte mich bereits um ein Angestelltenverhältnis in einer anderen Branche beworden.

Die, die mich kennen wissen, dass es einen Supergau brauchte, mich an diesen Punkt zu bringen. 

Der Supergau ist sehr leicht und kurz erklärt:

Seit einigen Jahren rennen wir unbezahlten Rechnungen hinterher. Nicht mehr nur einigen, sondern fast monatlich so vielen, dass wir von Aussenständen (unbezahlten Rechnungen) im teilweise hohen (immer aber im) vierstelligen Bereich reden.

Gutmütig wie ich bin, habe ich es trotz der kritischen Frage meiner Mitarbeiterin (wie das sein kann) auf die digitale Umstellung (Rechnung per mail) geschoben; weiter geatmet, weiter abgewartet, freundlich erinnet, etc

Es wurde nur maginal besser.

An wen immer es betrifft, bitte lies den folgenden Text einmal in Ruhe:

Bevor ein Patient diese Praxis betrifft, ist der Raum im Winter warm, manchmal gar aufgeräumt, immer sauber, zu Desinfizierendes ist desinfiziert. Ich bin in der Regel auch gewaschen, angezogen und motiviert, meist freue ich mich gar auf den neuen Tag (in 99% der Arbeitstage tue ich das); auch das kann man als "Arbeitsvorbereitung" betrachten.-).

Obiges ist bereits passiert, bevor ich einen Cent vom Patienten bekommen habe, ich bin quasi in "Vorleistung" getreten (von meiner Ausbildung, evtl. geführten Telefonaten, Terminvereinbarung, etc. ...abgesehen).

Viele, die mich kennen wissen, mal eben ein Tape setzen, eine Spritze geben, einen Tip schicken, einen Bericht für eine Reha/einen Kollegen/eine KV schreiben, ein Medikament empfehlen, manchmal auch eine Ferndiagnose zur 85jährigen Oma stellen, nachhören, wie es geht (auch der Oma), das mache ich nebenbei und habe dafür noch nie eine seperate Rechnung gestellt. Das gehört (e) für mich zu meinem Job und meiner Verantwortung dazu.  

Ich würde das neben Verantwortung auch Wertschätzung nennen.

Rechnungen schreiben und Infusionsberatungen (etc.) übernehmen meine Kolleginnen; alles ausserhalb meiner Behandlungszeit, damit Behandlungszeit für Euch keine administrative Zeit ist. Die beiden machen IMMER mehr, als ich ihnen an Gehalt vergüte, das ist ohnehin nicht bezahlbar, aber sie machen es eben auch nicht als reines Ehrenamt (ich zahle gut, glaube ich, das ist auch eine Form der Wertschätzung), und auch dieser Invest meinerseits fliesst nicht unbedingt eins zu eins in mein Honorar.

Ich möchte jetzt nicht EUCH ALLE in Sippenhaft nehmen in Form von Vorkasse oder sofortiger EZ Zahlung (geht dann auch von der Behandlungszeit weg), aber so geht es nicht weiter. 

Wenn ich trotz acht Stunden Arbeit pro Tag am Ende des Monats nicht weiß, wie ich meine Mitarbeiter bezahlen soll, weil meine Rechnungen nicht bezahlt werden, ist das mein persönlicher Supergau.

Leider kann ich auch keine Rücksicht darauf nehmen, ob Eure private oder gesetzliche KV eine Bezuschussung zur Osteopathie, die in Deutschland eine Eigenleistung ist, übernimmt, respektive auf das Bezahlen meiner Rechnung warten, bis EUre KV bezuschusst hat. In dem Moment, da Euer Fuss meine Tür verlässt, nachdem ihr vorher freiwillig auf meiner Liege lagt, habe ich eine Leistung vollbracht, womit in diesem Moment quasi die Vergütung schon fällig ist. Als ich im Rewe fragte, ob ich die Tomaten erst in acht Wochen bezahlen darf, hat man erstaunlicherweise verneint. 

Ich habe in den letzten zwanzig Jahren viele, ausschliesslich weibliche Kolleginnen "aufgeben" sehen; sie sind erkrankt, teilweise verstorben (viel zu jung), einfach von der Bildfläche verschwunden. Mich hat das erschreckt, verwundert, aber ich habe so getan, als verstünde ich dieses Phänomen nicht, habe versucht, mich an meinen männlichen Kollegen zu orientieren, die wachsen, die Praxen erweitern, präsent auf den sozialen Medien sind, ... tolle Kollegen, deren Kompetenz ich bis heute absolut schätze (die Kompetenz der weiblichen Kolleginnen steht ausser Frage, alle grossartige Osteopathinnen!). Heute verstehe ich. Ich möchte so nicht enden. Ich möchte auch ungern einen anderen Job machen, denn ich brenne für meinen

An dieser Stelle kann ich also nur um Respekt und Wertschätzung in Form vom zeitnahen Begleichen meiner Rechnungen bitten, ansonsten muss und werde ich leider "härter" werden müssen, Sippenhaft und so, das entspricht nicht meinem Naturell, aber zum Glück ist mein Überlebenstrieb doch stärker; wenn das pathetisch erscheint: meine Bank, meine KV, mein Öllieferant, mein Stromanbieter, etc. hat nur ein gewisses Kontingent an Geduld unbezahlten Rechnungen gegenüber und wenn ich diese Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, geht es an meine Existenz, verzeiht also ein gewisses Maß an Pathos. 

So, ich denke, ich habe meinen Standpunkt mehr als deutlich gemacht. Die Glücksmomente, die Freude, die Verbundenheit mit vielen von Euch, die zauberhaften Geschenke, die ich ständig bekomme, das Vertrauen (eine Ferndiagnose zur 85jährigen Oma stellen zu können zum Beispiel;-), das Lächeln im Gesicht eines Patienten, dem es besser geht oder der sich durch Übungen selbst an den Haaren aus der Scheiße gezogen hat, sind unbezahlbar, das möchte ich gern noch mindestens dreißig Jahre täglich erleben dürfen. 

Habt tolle Ostern, einen zauberhaften Frühling und bleibt in Bewegung!

Maike